Sonntag, 18. Dezember 2016

Der klägliche Bäcker

Ich bin keine gute Bäckerin. Oder sagen wir es so: Ich bin keine gute Confiseurin (oder das sind doch die die das süsse Zeugs machen? Ein Bäcker bäckt Brot?). Jedenfalls alles was irgendwie süss ist liegt mir nicht besonders. Dies bestätigt mir gerade ein erneuter Blick in den Ofen, wo Weihnachtsplätzchen kläglich vor sich hin backen. Noch vor vier Monaten hätte ich meinem Ofen die Schuld zuschieben können. Denn dieser alte Taugenichts konnte keine Temperatur halten. Aber dieser ist jetzt im wohlverdienten Kochherdhimmel. Und mir bleibt Niemand mehr dem ich die Schuld für klägliche Kekse zuschieben kann. Nur noch mir (insert crying emoji). 
Auch wenn ich weiss, dass Guezli nicht zu meinen stärken gehört, backe ich doch jede Weihnachten wieder welche (oder sagen wir es so: ich versuche es). 
Euphorisch mache ich mich an den Teig. Nostalgisch steche ich aus. Hoffnungsvoll schiebe ich in den Offen. 
Enttäuscht nehme ich ein Blech wieder heraus. 
Vielleicht sind auch die Ansprüche an mich zu hoch. 
Vielleicht mag ich es einfach nicht so sehr zu Backen weil mir irgendwie immer ein bisschen schlecht wird vom Geruch der sich in der Wohnung ausbreitet (keiner wird mich in diesem Punkt verstehen). 
Aber öh, weshalb setzte ich mich trotzdem immer wieder dieser Tortur aus? 
Keine Ahnung. 
Es liegt wahrscheinlich an der weihnachtlichen Nostalgie, die immer wieder Überhand gewinnt. Man stellt es sich ja so vor: Eine hübsche Schürze umgebunden, Kerzen brennen, Weihnachtsmusik klingt, der Duft von Orangen und Zimt in der Luft. Am besten versetzt man diese Szene nun in ein kleines rotes Landhaus in Schweden, mit hellen Holzböden und Flickenteppichen. Die Katzen schlafen auf der Küchenbank. Der Blick aus dem Küchenfenster offenbart wilde Wiesen die unter einer glitzernden Decke Schnee ruhen, in der Ferne der Wald. Ein Märchen. 
Die Realität ist wie jeder weiss anders: Die Schürze hat man vergessen umzubinden (obwohl man eine hübsche hätte). Die Kerzen sind schon lange runtergebrannt. Die Playlist mit den Weihnachtsliedern scheint einem ab der Hälfte doch nicht mehr so schön und besinnlich. Jap die Luft ist erfüllt mit dem Duft nach Orangen und Zimt, und Mehl, und Zucker, und Butter und irgendwie ist alles ein bisschen viel. Man wohnt natürlich nicht auf dem Land, nicht mal in Schweden. Die Küche ist vollgestellt mit geöffneten Vorratsgläsern, Schüsseln, Teigschabern, Blechen. Die ganze Küche scheint mehlig eingestäubt. Die Katzen schlafen nicht, nein sie sind mächtig interessiert an den Eiern die man gerade aufschlägt, da man lieber keine Katzenpfotenabdrücke auf den Plätzchen hat, ist man ständig dabei die Katzen am Hochspringen zu hindern. Der Blick aus dem Fenster fällt auf das Nachbarhaus, in einem Dieser Fenster brennt immerhin eine kleine schwache Kerze, wie ein kleiner Schimmer Hoffnung. Alltag. Kein Märchen.

Trotzdem werde ich mich jedes Jahr wieder dem weihnachtlichen Backen aussetzten. Denn jedes Jahr habe ich die Hoffnung, dass es diesmal das Jahr ist in dem alles anders ist.  
    

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